Original versus Generikum

Medikamente lindern viele Beschwerden und helfen einem schnell wieder fit zu werden. Günstig sind sie jedoch nicht - vor allem wenn ganz neue Medikamente auf den Markt kommen und patentgeschützt sind. Zum Glück gibt es Generika - eine Kopie des Originalmedikaments.

Unter einem Generikum versteht man ein Arzneimittel, das den gleichen Wirkstoff enthält wie das Originalprodukt. Ein Originalprodukt enthält den vom Hersteller durch Forschung und Entwicklung gefundenen Wirkstoff. Es dauert eine ganze Weile, bis ein neues Präperat auf den Markt kommt. Die Prüfungen sind sehr umfangreich. Solche Untersuchungen beginnen mit einer isolierten Substanz und ihrer Wirkung auf andere Moleküle. Wenn hier eine unerwünschte Wirkung auftritt, dann wird der Wirkstoff nicht mehr weiterentwickelt. Die klinischen Studien gehen in die nächste Phase, wenn keine negativen Substanzeigenschaften aufgezeigt wurden. In dieser nächsten Phase wird der Wirkstoff dann auf Verträglichkeit, Wirksamkeit und Sicherheit untersucht. Und dann ganz am Schluss wird der Wirkstoff an Tieren untersucht. Viele möglichen Risiken sind dann bereits ausgeschlossen. Der Weg bis zu dieser Zulassung dauert oft mehrere Jahre. Außerdem sind die Kosten sehr hoch.

Ein Generikum erzielt bei der Anwendung einen gleichwertigen Effekt wie das Originalprodukt. Neu eingeführte Medikamente sind patentrechtlich geschützt. Ein anderes Unternehmen darf diese Arzneimittel nicht ohne Einwilligung des Herstellers kopieren oder selbst vertreiben. Ein Generikum kann vermarktet werden, da der gewährte Patentschutz auf das Originalprodukt nach einigen Jahren abläuft. Somit kann danach jeder Hersteller den Wirkstoff unter einem anderen Namen verkaufen. Generika machen inzwischen ungefähr 75 Prozent aller verordneten Medikamente in Deutsch­land aus. Auch Generika müssen strenge Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Wirksamkeit und pharmazeutischer Qualität erfüllen. Der Hersteller eines Generikums muss bei staatlichen Zulassungsbehörden in jedem Fall nachweisen, dass das Präparat dem Original entspricht.

Ein Generikum kann sich mit den Hilfsstoffen oder wegen der Herstellungstechnologie leicht von dem Originalpräparat unterscheiden. Die Qualität und Wirksamkeit darf hier allerdings auf keinen Fall vernachlässigt werden. Es sind Bioäquivalenzstudien vorgeschrieben für die Zulassung von Generika. Das heißt, es wird genaustens überprüft, ob der Wirkstoff eines Generikums in vergleichbarer Konzentration im Blut eines Patienten erscheint wie das Original. Wenn dies der Fall ist, dann können Original und Generikum problemlos ausgetauscht werden. Ein Generikum kann bis zu 20 Prozent weniger oder 25 Prozent stärker wirken als das Original. Der Unterschied liegt im Schnitt bei fünf Prozent.

Es gibt jedoch auch einzelne medizinische Fälle, bei denen es nicht sinnvoll ist, auf ein günstiges Generikum zurückzugreifen. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass ein Patient allergisch gegen einen Hilfstoff ist. Was Ärzte dann machen sollten, ist, auf dem Rezept vermerken, dass nur das verschriebene Medikament ausgegeben werden darf. Dafür muss der Arzt auf dem Rezept links das Feld mit den Worten „Aut idem“ mit einem Kreuz markiert haben. „Aut idem“ ist Lateinisch und heißt „oder das Gleiche“. Ist das „Aut idem“ mit dem Kreuz durchgestrichen, darf nur das verschriebene Arzneimittel über den Tresen in der Apotheke gehen.

Die Krankenkassen bevorzugen aber natürlich Generika. Denn diese sind meist einiges preiswerter, weil die Hersteller keine Forschungskosten hatten. Jede Krankenkasse schließt zudem Verträge mit bestimmten Herstellern ab. Somit werden weitere Rabatte ermöglicht. Wenn der Apotheker das Rezept prüft, kann er schnell am Computer nachvollziehen, für welches Produkt die Krankenkasse die Kosten übernimmt und wird auch nur dieses an den Patienten herausgeben. Durch den Markteintritt von Generika werden aus den Monopolmärkten für einen Wirkstoff starke Wettbewerbsmärkte, was zu sinkenden Preisen führt.

Was muss man also beim Wechsel von einem Originalpräparat auf ein Generikum beachten? Man sollte sich auf jeden Fall von einem Apotheker oder behandelndem Arzt beraten lassen, sich selbst informieren (Broschüren, Internetseiten, Events etc.), mit kleinen Packungen starten und nicht alle Medikamente, die man momentan einnimmt, gleichzeitig zu ersetzen.